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Aktionsform Critical Mass

31 Okt

Critical Mass – was heißt hier „kritische Masse“?

Die Aktionsform Critical Mass basiert auf einer Passage der Straßenverkehrsordnung, die besagt, dass eine größere Gruppe von Radfahrern in Zweierreihen nebeneinander radeln und somit einen Fahrstreifen belegen darf. Im deutschen Verkehrsrecht liegt die „kritische Masse“ bei 16 und mehr Radlern. Schließt sich also solch eine Gruppe von Menschen auf Zweirädern zusammen, darf sie offiziell paarweise und als großes Ganzes soviel Raum auf der Straße einnehmen, wie sie eben benötigt – und außerdem gemeinsam Kreuzungen überqueren, selbst wenn die Ampel schon lange auf Rot umgesprungen ist. Das führt mitunter dazu, dass während eines Critical Mass Ride Tausende von Radfahrern und Radfahrerinnen wie ein Schwarm durch die Straßen fahren, während der restliche Verkehr zum Erliegen kommt.

Im Autofahrer-Land Deutschland mutet das Phänomen Critical Mass für die motorisierten Verkehrteilnehmer wie eine mutwillige Verkehrsbehinderung an. Dem Motto der Critical Mass nach zu urteilen, ist dies aber ein eklatantes Missverständnis. Geradelt wird schließlich unter der Überschrift: „We are not blocking traffic. We are traffic.“ („Wir blockieren nicht den Verkehr. Wir sind der Verkehr”). Worauf die Radfahrerinnen und Radfahrer bei ihrem Critical Mass Ride durch die Innenstädte nämlich aufmerksam machen wollen, ist die Tatsache, dass der Radverkehr eine Form des Individualverkehrs ist, die dem Autoverkehr unterlegen ist. Indem sie als „kritsche Masse“ die motorisierten Fahrer zum Innehalten bringen, fordern die Fahrradfahrer mehr Rechte und eine bessere Infrastruktur.

Kreativer Straßenprotest der Fahrradfahrer

Die radelnde Protest-Bewegung ist jedoch nicht zu verwechseln mit einer Demonstration, denn Critical Mass kommt ohne Organisatoren oder Veranstalter aus. Sie bedarf keiner Genehmigung; wie zufällig finden sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen zusammen und übernehmen Verantwortung füreinander, beispielsweise indem sie einzelne Kreuzungen sichern, sodass die Masse sie ungefährdet passieren kann.

Was in den 90er Jahren in San Francisco begann, hat sich inzwischen seinen Weg über den gesamten Globus gebahnt und ist bis in die Kleinstädte vorgedrungen. Kein Wunder, immerhin generiert in Sachen Verkehrsrecht nichts so erfolgreich Aufmerksamkeit wie eine Störung des Verkehrs.

Doch die Critical Mass ist nicht so homogen, wie sie auf den ersten Blick wirkt. Sie ist eine Masse aus Individualisten, die zwar alle in dieselbe Richtung fahren, nicht aber zwingend dasselbe Ziel haben. Dem einen geht es einfach darum, Spaß mit seinen radelnden Freunden zu haben. Der anderen tatsächlich um Gleichberechtigung im Straßenverkehr. Die nächste nutzt die Gelegenheit, sich in Schale zu werfen und mit den restlichen kostümierten Teilnehmern zu konkurrieren. Ihr Hintermann wiederum hat seine Öko- und CO2-Bilanz im Blick, während er kräftig in die Pedalen tritt und den wartenden Autofahrern vor Augen führt, dass es auch anders geht – auch wenn man fährt.

Kurzum: Critical Mass ist eine kunterbunte, unorganisierte Masse, die trotz der verschiedenen Motive der Einzelnen zusammenhält und dem Autoverkehr die Stirn bietet. Dahinter nichts als friedliche Gedanken. Was kann daran verkehrt sein?

Termine für Critical Mass Rides in Ihrer Nähe finden Sie hier: http://criticalmass.de/